Worauf bauen wir? Weltgebetstag aus Vanuatu Präsenz-Gottesdienst am 5. März um 19 Uhr in der Matthiaskirche

|   Gottesdienste

Weltgebetstagsgedanken 2021 von Ulrike Scholtheis-Wenzel

Liebe Weltgebetstagsfrauen,

Glück und Gefahr wohnen eng beieinander in Vanuatu.
Wir sehen in freundliche, lachende Gesichter.
Welt-Glücksindex Nr.1!
Zugleich erfahren wir von extremen Bedrohungen durch den Klimawandel.
Welt-Risikoindex Nr.1!
Worauf bauen wir? fragen Christinnen aus Vanuatu sich selbst und auch uns.
In der Klima-Krise. In der Corona-Krise.
Was trägt unser Leben, wenn alles ins Wanken gerät?

Und sie wählten für diesen Gottesdienst ein geniales Gleichnis.
Jesus erzählt von Stürmen und Wasserfluten, von Häusern, die vom Sand weggespült werden, und von anderen, die auf Felsen standhalten.
Ich erkenne Vanuatu selbst in diesem Gleichnis.
In den Bildern finde ich seine ganze bedrohte Existenz wieder.
Jesus sagt: Bestehen kann in dieser Gefahr nur, wer auf das richtige Fundament setzt.
Glücklich wird auf Dauer nur, wer seinen Einsichten Taten folgen lässt.
Entschieden und konsequent.
Mit diesem Appell schließt die berühmte Bergpredigt.

Dazu das Titelbild von Juliette Pita: „Cyclon Pam II. 13Th of March 2015.“
Es erinnert an den verheerenden Tropensturm Pam vor sechs Jahren genau.
Wir sehen eine junge Frau. Sie schützt ihr kleines Kind mit ihrem nackten Körper.
In ihrem Rücken eine Palme, vom Sturm tief gebeugt.
Kleine Kreuze und Feuer am rechten Rand erinnern an die Opfer von damals:
90 % aller Häuser stürzten ein.
Die meisten Ni-Vanuatu verloren ihre Bleibe, 24 ihr Leben.
Worauf bauen wir? fragt die Malerin sich und uns.
Hält die Natur stand? Die Palme mit ihren alten Wurzeln?
Schützt das traditionelle Wissen weiter? Dafür steht das kostbare Tuch.
Was können wir tun?

Was müssen wir tun, um zu überleben?
Das ist die entscheidende Frage am Ende der Bergpredigt.
Jesus sagt: Ihr habt die Wahl, weiterzumachen wie bisher und unterzugehen
oder nach Gottes Willen neu zu handeln
und zu bestehen in den Katastrophen dieser Welt.
Ihr entscheidet selbst! - Da redet Jesus wie Mose.
Ihr entscheidet selbst zwischen Segen und Fluch.
Und glücklich ist, wer mein Wort hört und danach handelt.

Zeit, in der Bergpredigt nachzulesen,welches Gebot Jesus uns aufgibt,
damit wir mitten in der Gefahr glückliche Menschen bleiben.
„Glücklich sind die Gewaltlosen, denn sie werden das Land erben!
Glücklich sind, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie sollen satt werden.
Glücklich sind, die für den Frieden arbeiten,
denn sie werden Töchter und Söhne Gottes heißen.“
So beginnt die Bergpredigt und da begreife ich schon:
Mitten in allen Gefährdungen – Klima, Corona und noch viel mehr -
trägt uns eine Ethik, eine Lebenspraxis der Gewaltlosigkeit,
der Gerechtigkeit, des Friedens und des Verzichts.
Wir wissen längst genug,
aber ohne unser entschiedenes Handeln schwimmt unser Lebenshaus davon.

Diskussion im Vorbereitungsteam:
Inwiefern schadet unser Nicht-Handeln den Menschen in Vanuatu? -
Unser Plastik dümpelt im Hafen von Port Vila.
Vanuatu selbst hat das weltweit strengste Plastikverbot. Seit 2018 schon.
Unser CO2-Verbrauch verschuldet mit den steigenden Meeresspiegel.
Der kleine Südsee-Staat gehört kaum zu den Verursachern der Klimakrise,
die seine pure Existenz bedroht.
Die freundlichen Frauen von Vanuatu klagen uns nicht an,
aber das tun unser Verstand und Gottes Wort, die goldene Regel der Bergpredigt:
„Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, tut ihnen ebenso!
Das sagen die Tora und die prophetischen Schriften.“
Beten wir nur für Vanuatu oder ziehen wir praktischen Konsequenzen
für ein Klima freundlicheres Leben?
Jesus sagt: Entscheidet selbst!

Stefan Coch, der Bruder unserer Kantorin, bereiste Vanuatu viele Jahre.
Er erzählte uns etwas Interessantes:
Wenn ein Sturm aufzieht, ein gefährlicher Tropenstum,
dann öffnen die Ni-Vanuatu die Fenster ihrer Häuser.
So fegt der Wind durch die Räume und lässt die Wände stehen.
Eine südseepraktische Ergänzung des Jesusgleichnisses!
Was brauchen wir für die Zukunft und für das Reich Gottes?
Ein tragfähiges Fundament und einen leichten Bau,
der den Stürmen keinen unnötigen Widerstand bietet
und sich zur Not einfach wieder aufbauen lässt.
Im übertragenen Sinn: Zum festen Glaubensgrund passt ein luftiges Lebenshaus,
das mehr durch Beziehungen als durch Besitz zusammen hält.
Das tut dem Klima auch gut.

Liebe Gemeinde,

Glück und Gefahr wohnen eng beieinander auf unserem Globus.
Jesus sagt: Zukunft hat allein eine Ethik, die sich am gemeinsamen Überleben orientiert.
Dafür sensibilisiert uns der Weltgebetstag in jedem Jahr.
Und in diesem besonderen Jahr 2021 durch die Christinnen auf Vanuatu.

Amen.

 

Zurück